Bad Nauheim: die Gesundheitsstadt.
Bad Nauheim gehört mit über dreißigtausend Einwohnern zu den größten Städten im Wetteraukreis und sein Bekanntheitsgrad reicht aufgrund seiner Solquellen und seinem Ruf als Heilbad weit über die Grenzen Hessens hinaus. Eingebettet in die hügeligen Ausläufer des Taunus bietet Bad Nauheim neben landschaftlicher Schönheit eine große Zahl an Kultur- und Freizeitangeboten. Viele Bauwerke aus der Jugendstilzeit – darunter die Jugendstilbadeanlage, dem Sprudelhof – verleihen der Stadt ihren besonderen Charme. Seit 2004 zählt Bad Nauheim als erste deutsche Stadt zum „Réseau Art Nouveau Network“, dem Verbund der Jugendstilstädte, zu denen so bedeutende Städte wie Barcelona, Brüssel und Budapest zählen.
Geschichte Bad Nauheims.
Schon 2.000 Jahre v. Chr. war das Gebiet in der Umgebung Bad Nauheims besiedelt. Diese erste Siedlung wuchs zur Zeit der Kelten, die aus dem Wasser der Quellen Salz gewannen, zu einer wohlhabenden an. Bei Ausgrabungen legte man eine keltische Salinenanlage frei, deren durch den Salzgehalt gut erhaltene Systeme eine Salzgewinnung in bereits industriellem Maßstab dokumentieren. Urkundlich erwähnt wurde Nauheim erstmals um 900, die Saline erstmals im 14. Jahrhundert. 1854 erhielt Bad Nauheim Stadtrechte.
Entwicklung als Heilbad.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Bad Nauheim aufgrund der Entdeckung der heilsamen Wirkung der natürlich vorkommenden Kohlensäure in der Thermalsole zu einem Heilbad für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Bad Nauheim entwickelte sich in der Folge zu einem Kurbad mit internationaler Bedeutung. Entscheidend dazu bei trug der Gebietsausgleich nach dem preußisch-österreichischen Krieg, in dem das Kurfürstentum Hessen-Kassel an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt fiel. Die neuen Herren förderten den Ausbau Bad Nauheims als Kurstadt mit immensen finanziellen Mitteln. Ab 1869 durfte sich Nauheim als „Bad“ bezeichnen.
Bad Nauheim: hier traf sich die Prominenz.
Als Kurort beherbergte Bad Nauheim Tausende von Gästen von Weltruf, darunter Otto von Bismarck, die Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn, das deutsche und das österreichische Kaiserpaar, der bulgarische Zar Ferdinand I., Alfred Krupp, August Bebel, Richard Strauss und Karl May. 1910 verweilte die russische Zarenfamilie in Bad Nauheim. Die um 1900 geweihte russisch-orthodoxe Kirche erinnert bis heute mit ihrem aktiven Gemeindeleben an die Beliebtheit Bad Nauheims bei Gästen aus Osteuropa. Denn die Kur diente nicht nur der Gesundheit sondern auch der Geselligkeit. Internationale Prominenz gab sich auch später hier ein Stelldichein. Mitglieder des sich im Exil befindlichen russischen Hochadels sowie Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Erich Kästner und Hans Albers.
In der Zeit von 1901 bis 1912 kommt es unter den Regierungsbauinspektors Wilhelm Jost zu einer einheitlichen Gestaltung der Anlagen. So entstehen im Kurpark ein „Inhalatorium“ und später das Herz der Kuranlagen: der Sprudelhof mit insgesamt 240 Badezimmern. Mit den üppig verzierten Badehäusern, Sälen und Höfen zählt der Sprudelhof zu den bemerkenswertesten Bauwerken des Jugendstils in Deutschland. Zum Ende dieser Gestaltungsphase entstand die Trinkkuranlage. Die hufeisenförmige Anlage umfasst Wandelgänge, eine große Konzertmuschel, ein rechteckiges Wasserbecken und die Trinkhalle. Zu den Prunkstücken der Anlage zählt ein achteckiger Brunnen mit goldener Kuppel und „Krone“, der heilkräftige Wasser spendet.
Auch das Kurhaus, die Terrasse und der Kurgarten wurden umgestaltet und ausgebaut. Hinzu kamen neue Gebäude: ein Musiktempel und ein reich verzierter Konzertsaal im Jugendstil. Villenviertel und luxuriöse Hotels siedelten sich im Stadtgebiet an. Ein eigenes Heizwerk versorgte größere Bauwerke mit Fernwärme. Der fast unveränderte und gut erhaltene Gebäudekomplex im Jugendstil stellt ein einmaliges und bedeutendes Architekturdenkmal dar.
Bad Nauheim überstand den zweiten Weltkrieg Krieg ohne große Schäden und in den 50er Jahren blühte diese Zeit noch einmal auf. In den folgenden Jahrzehnten wandelte sich der Staat – und die Stadt. Neue Sozialsysteme ermöglichten auch ärmeren Bevölkerungsschichten Kuraufenthalte. Die Zahl der Kurgäste und mit ihnen die der Kliniken stieg an – der Ruf als mondäner Treffpunkt der High Society verblich.
Doch nach den „Wunderjahren“ führten die Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen dazu, dass die Kur in Bad Nauheim an Bedeutung verlor und durch moderne Behandlungsmethoden von Herz-Kreislauferkrankungen wurden teure Kuraufenthalte überflüssig. Bad Nauheim suchte neue Felder und im Gesundheitswesen. Große Krankenhäuser und Spezialkliniken, die Herzforschung und Kongresse und Tagungen zu diesem Thema repräsentieren heute die „Gesundheitsstadt“.
Mehr über Bad Nauheim erfahren Sie auf der Webseite der Stadt und unter www.wikipedia.de.
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